Gender Equal Fashion

VORARLBERGERIN BUSINESS - FRONTSTORY

Frontstory: Auf Erfolgskurs

von Sandra Kacetl

 

Die aus der Reihe tanzen. Die Vorarlberger Schwestern haben vor zwei Jahren ein eigenes Modelabel gegründet und verfolgen seither konsequent ihre Philosophie von Gender Equality. Mit der Ganzjahreskollektion CORE leben sie die Idee von Slow Fashion und pfeifen auf gewisse klassische Standards der Branche.

 

Gender equal fashion - bei VOLGGER Studio gibt es nur ein Design für Frauen und Männer mit zwei Passformen. Die CORE Kollektion mit ihren fluiden Grenzen wird als Ganzjahreskollektion laufend erweitert. Dezente Farbtöne wie Blau, Schwarz, Grau und Weiss dominieren.

 

Ihr habt vor zwei Jahren VOLGGER Studio gegründet. War Mode immer schon euer gemeinsamer Traum?

 

Regina: Den Gedanken, eines Tages mein eigenes Label zu führen, hatte ich schon recht früh. Ich glaube, ich war 13 Jahre alt, als ich die grundsätzliche Entscheidung für eine Laufbahn im Modebereich getroffen habe. In der HAK gab es Modedesign als Freifach und nach der Matura bin ich zuerst nach München.

Dort habe ich an der ESMOD Mode und Design studiert und anschließend in Wien auch noch die Meisterklasse für Mode und Kunst besucht.

 

Jasmin: Mit Mode hatte ich beruflich vor der Gründung von VOLGGER Studio nichts zu tun, denn ich habe Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert und danach fünf Jahre als Produktionsleiterin im TV- und Filmbereich gearbeitet. Erst über Regina bin ich in dieser Branche gelandet. Sie war irgendwann an einem Punkt, wo klar war, dass sie nicht mehr alles alleine bewältigen kann. Ich habe zugesagt, sie zu unterstützen, und dann ist die Arbeit sukzessive immer mehr geworden. Das alles ist über die Zeit gewachsen, geplant hatte ich das nicht.

 

Wie habt ihr die verschiedenen Arbeitsbereiche aufgeteilt?

 

Regina: Ich decke den ganzen kreativen Bereich ab und konzentriere mich auf die Designs. Die Organisation liegt mir allerdings nicht so. Darum war es für mich eine große Erleichterung, als Jasmin ihre Unterstützung zugesagt hat.

 

Jasmin: Ich kümmere mich dementsprechend um alles andere, also um das gesamte Management und Marketing. Das reicht von PR und Kommunikation über die Produktionsabwicklung bis zum Vertrieb.

 

Mit Familie oder Freunden so eng zusammenzuarbeiten, kann auch schwierig sein. Wie reibungslos läuft es bei euch?

 

Jasmin: Wir haben die Bereiche von vornherein ganz klar aufgeteilt. So macht jede genau das, was sie am besten kann und beide sind happy.

 

Regina: Voll und ganz. Die Meinung der anderen ist natürlich wichtig und wir geben einander gerne Feedback, aber wir funken uns nicht gegenseitig drein. Darum läuft es richtig gut und es gibt eigentlich keine Streitereien.

 

Das Modebusiness ist ein hartes Pflaster für ein junges Label. Was sind die größten Herausforderungen für euch?

 

Jasmin: Seit wir VOLGGER Studio vor zwei Jahren gegründet haben, sind wir kontinuierlich mit der Entwicklung unserer Marke beschäftigt. Herausforderungen gibt es dabei Unmengen, aber eine der größten ist aus meiner Sicht, die richtigen Kontakte in den verschiedenen Bereichen aufzubauen. Wir haben beispielsweise ganz klare Vorstellungen vom Material, das wir verwenden - es muss hochwertig, natürlich, wenn möglich auch zertifiziert sein und aus Europa stammen. Das ist uns sehr wichtig, schränkt aber die Auswahl der Produzenten ein. Diese müssen nicht nur zuverlässig, sondern auch bereit sein, mit so einem jungen Label zu kooperieren. Denn unsere Produktions- und Abnahmemengen sind natürlich viel geringer als die von großen etablierten Unternehmen. Auch die richtigen Vertriebspartner zu finden, ist eine hohe Kunst. Das Zauberwort lautet Networking. Immer und überall, denn es ist ein heiß umkämpfter Markt.

 

Ihr macht nicht einfach lässige Mode, sondern es steckt eine spannende Philosophie dahinter. Könnt ihr die näher erläutern?

 

Regina: Unser Thema lautet gender equal fashion. Das bedeutet, dass es bei all unseren Kleidungsstücken nur ein Design für Männer und Frauen gibt, das sich aber in der Passform unterscheidet.

Für meine allererste Linie, habe ich ein Partner-T-Shirt entworfen.

Das fanden die Leute damals so cool, dass ich mir vorgenommen habe, an diesem spannenden und gesellschaftlich relevanten Thema dranzubleiben.

 

Jasmin: Bei unserer Mode geht es darum, dass beide Geschlechter das Gleiche anziehen können. Die Kunden können sich völlig ausleben, ohne darauf zu achten, ob das Kleidungsstück für Männer oder Frauen ist. Es ist einfach von VOLGGER Studio.

 

Ihr berücksichtigt darüber hinaus auch soziale und ökologische Aspekte. Worauf achtet ihr da besonders?

 

Regina: Da wäre zum einen das Material und die Qualität. Wir verwenden keine synthetischen Produkte, sondern arbeiten nur mit natürlichen und größtenteils zertifizierten Materialien wie Baumwolle, Leinen oder Tencel und Kaschmir. Auch pflanzlich gegerbtes Leder ist dabei, und bei diesem Produkt merkt man schon alleine am Geruch, dass es nicht chemisch behandelt wurde.

 

Jasmin: Vom Faden über die Knöpfe und Nieten bis zum Verpackungsmaterial achten wir darauf, dass die Wege so kurz wie möglich sind, bis das Material bei uns ist. Darum kooperieren wir nur mit Partnern aus Europa.

 

Wo werden eure Kleidungsstücke hergestellt?

 

Jasmin: Das kommt auf das jeweilige Produkt an. Manche der Stücke sind in Österreich handgemacht, andere werden ganz in der Nähe in Polen gefertigt und einer unserer großen

Produktionspartner ist in Italien. Es ist uns wichtig, dass sie gut und unkompliziert erreichbar sind, denn wir wollen nicht nur persönlichen Kontakt pflegen, sondern die Produktionsstätten anschauen und sehen, wer dort unter welchen Bedingungen arbeitet. Wir legen sehr großen Wert auf Transparenz, Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen.

 

Ende letzten Jahres habt ihr eure Kollektion CORE auf den Markt gebracht. Was macht sie so besonders?

Regina: Bei CORE handelt es sich um eine Ganzjahreskollektion, was bedeutet, dass wir uns nicht nach Saisonen richten, denn von diesem Konzept wollen wir uns komplett lösen. Wir bringen stattdessen immer wieder einzelne Looks und Teile heraus. Wir mögen die Idee von Slow Fashion - lieber weniger Kleidungsstücke kaufen, dafür in einer tollen Qualität. Dann hat man lange Freude damit.
Meine Designs kommen diesem Konzept sehr entgegen, denn sie folgen keinen kurzfristigen Trends, sondern sind zeitlos und die Kleidungsstücke daher lange tragbar.

Auf www.volgger-studio.com kann man bequem online bestellen.

Wo bekommt man eure Mode?

Jasmin: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen haben wir auf unserer Website einen Onlineshop, über den man jederzeit bestellen kann. In Wien kooperieren wir derzeit mit zwei
Stores und wir stellen immer wieder auf Designmärkten aus. International sind wir ebenfalls vertreten, denn unsere Mode gibt es in einem Laden in Kopenhagen. Die Besitzerin haben wir auf
einer Messe getroffen und sie war so begeistert, dass sie seither unsere Sachen verkauft. Das freut uns natürlich sehr, abgesehen davon passen die Designs von Regina hervorragend nach Skandinavien. Wir haben auch in Vorarlberg bereits Gespräche geführt, es wäre großartig, wenn sich auch hier etwas ergibt.

Von 9. bis 11. November 2018 ist VOLGGER Studio bei der POTENTIALe.

Um als junges Label Fuß zu fassen, braucht man einen langen Atem. Arbeitet ihr bereits hauptberuflich für euer Label?

Jasmin: Ich arbeite immer wieder als Produktionsleiterin, aber nur noch projektweise. Da mir für längere Aufträge die Zeit fehlt, musste ich schon öfter Angebote ablehen, aber der Job an sich macht mir immer noch viel Spaß.

Regina: Seit eineinhalb Jahren bin ich zusätzlich am Theater. Das ist für mich ein wunderbarer Ausgleich, obwohl ich mich dort wieder mit Kleidung beschäftige. Allerdings sind Theaterkostüme doch etwas ganz anderes und ich genieße es, unter Leute zu kommen.

Welche Pläne habt ihr, was kommt als Nächstes?

Jasmin: Wir freuen uns bereits auf den Herbst, da wir wieder bei einigen Designmärkten ausstellen werden. Unter anderem kommen wir im November zur POTENTIALe nach Feldkirch. Da wir keinen eigenen Shop haben, bieten uns diese Märkte die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit den Kunden zu treten und das ist sehr wertvoll für uns.

Regina: Das Feedback, das wir bei solchen Gelegenheiten erhalten, kann ich dann direkt umsetzen. Es ist wichtig für mich mitzubekommen, was den Leuten besonders gut gefällt oder wo ich noch kleine Anpassungen und Verbesserungen vornehmen kann.



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